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Kalkulation·6 Min. Lesezeit

Stundenverrechnungssatz in der Gebäudereinigung berechnen

Wer in der Gebäudereinigung kalkuliert, braucht einen belastbaren Stundenverrechnungssatz. Wir zeigen, aus welchen Bausteinen er sich zusammensetzt – und wie Sie ihn nachvollziehbar herleiten.

Der Stundenverrechnungssatz ist die zentrale Stellschraube jeder Kalkulation in der Gebäudereinigung. Er entscheidet darüber, ob ein Auftrag am Ende Gewinn abwirft oder ob Sie nach Abzug aller Kosten draufzahlen. Trotzdem wird er in der Praxis oft aus dem Bauch heraus geschätzt. Dieser Beitrag zeigt, aus welchen Bausteinen sich ein belastbarer Verrechnungssatz zusammensetzt und wie Sie ihn nachvollziehbar herleiten.

Was ist der Stundenverrechnungssatz?

Der Stundenverrechnungssatz ist der Preis, den Sie pro produktiver Arbeitsstunde Ihrer Reinigungskraft am Markt durchsetzen müssen, damit alle Kosten gedeckt sind und ein Gewinn übrig bleibt. Er liegt deutlich über dem reinen Stundenlohn, weil er neben dem Lohn auch sämtliche Nebenkosten, Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn enthält.

Die Bausteine des Stundenverrechnungssatzes

1. Lohnkosten

Ausgangspunkt ist der tarifliche oder betriebliche Stundenlohn der eingesetzten Lohngruppe. In der Gebäudereinigung gilt ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag mit eigenen Lohngruppen – die korrekte Eingruppierung ist die Basis jeder seriösen Kalkulation.

2. Lohnnebenkosten

Auf den Grundlohn kommen die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Beiträge zur Berufsgenossenschaft sowie Aufwand für bezahlte Ausfallzeiten wie Urlaub, Feiertage und Krankheit. Diese Nebenkosten machen je nach Betrieb einen erheblichen Aufschlag auf den reinen Lohn aus und dürfen nie vergessen werden.

3. Gemein- und Sachkosten

Über die reinen Personalkosten hinaus fallen Kosten an, die sich nicht direkt einem Objekt zuordnen lassen, aber trotzdem getragen werden müssen:

  • Reinigungsmittel, Verbrauchsmaterial und Arbeitskleidung
  • Maschinen, deren Wartung und Abschreibung
  • Fahrzeuge und Wegekosten
  • Verwaltung, Büro, Software und Versicherungen
  • Objektleitung und Qualitätskontrolle

4. Wagnis und Gewinn

Zuletzt gehört ein Zuschlag für unternehmerisches Wagnis und Gewinn in den Satz. Er federt Forderungsausfälle, Leerlauf und unvorhergesehene Aufwände ab und sichert die Substanz des Betriebs. Ohne diesen Aufschlag arbeiten Sie bestenfalls kostendeckend, aber nicht wirtschaftlich.

Vom Stundenverrechnungssatz zum Angebotspreis

Der Verrechnungssatz allein ergibt noch keinen Angebotspreis. Dafür brauchen Sie den Leistungswert – also die Fläche, die eine Reinigungskraft pro Stunde in einer bestimmten Raumart schafft (in Quadratmetern pro Stunde). Aus Objektfläche, Leistungswert und Reinigungshäufigkeit ergibt sich der monatliche Stundenbedarf, den Sie mit dem Stundenverrechnungssatz multiplizieren. So wird aus der Kalkulation ein nachvollziehbarer Objektpreis.

Häufige Fehler in der Praxis

  • Nur mit dem Tariflohn statt mit den vollen Lohnkosten inklusive Nebenkosten rechnen
  • Gemeinkosten wie Verwaltung, Maschinen und Fahrzeuge nicht umlegen
  • Den Leistungswert zu optimistisch ansetzen
  • Bestehende Objekte nach Tariferhöhungen nicht neu kalkulieren
  • Kalkulationsgrundlagen nicht dokumentieren, sodass sie nicht nachvollziehbar sind

Fazit

Ein sauberer Stundenverrechnungssatz entsteht nicht aus dem Bauch, sondern aus klaren Bausteinen: volle Lohnkosten, Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn. Wer diese Größen einmal sauber hinterlegt und bei Tarifänderungen konsequent fortschreibt, kalkuliert dauerhaft auskömmlich – und kann jedes Angebot gegenüber dem Auftraggeber begründen.

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